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ÜBER EINE ÄSTHETIK DES VISUELLEN ZITATES…
Ein Gespräch mit dem Bühnen- und Kostümbildner David Farley
Welche grundsätzlichen Gestaltungsideen
haben Sie zum Design der Rocky Horror
Show? Die meisten von uns haben häufig
die Bilder des berühmten Filmes im Kopf.
David Farley: Gerade das macht die Arbeit
daran besonders interessant, weil das Stück
einem so starken visuellen Eindruck unterliegt, da der Film, der auf der Original-Bühnenshow basiert, eine Art Ikone und ein Kult
geworden ist. Allein wenn man nur "Rocky
Horror" erwähnt, weiß jeder sofort, wie
das aussieht. Es ist ein Akt der Balance, den
es zu halten gilt, zum einen, gewisse Bilder,
die den Leuten im Gedächtnis sind, wieder
zu bringen, und sich dennoch klar darüber zu
sein, dass der Stil des Films heute veraltet,
und ein Kind seiner Zeit ist, was einen gewissen Grad an wertgeschätztem Kitsch mit
sich bringt. Auf der anderen Seite bin ich
gefordert, eine neue Produktion auf qualitativ
hohem Niveau zu entwerfen. Das ist eine
knifflige Sache und als gestalterische Herausforderung ist das unglaublich spannend!
Für uns war es recht aufschlussreich, zu erfahren, dass frühere Produktionen teilweise
sehr schlecht ausgestattet waren: Black
Boxes mit ein paar alten Möbelstücken darin,
und das war es auch meist. Wir beide, Sam
und ich, haben eine sehr intensive, visuelle
Vorstellung von dem, was wir verwirklichen
wollen und es ging dabei darum, wie wir das
umsetzen können, ohne bei einem Filmset
zu landen.
Von diesen Gedanken her sind wir darauf
gekommen, dass all das Rocky Horror-Material
Referenzen auf alte B-Movies in sich birgt,
alle möglichen Anleihen aus diesem Genre
sind da zusammen getragen, ein riesiger
Wirrwarr an visuellen Zitaten. Und wenn
man dann überlegt, man selbst müsste
einen B-Movie realisieren, was passierte,
würde man selbst diesen Film ohne Geld
produzieren.
.was ja auch der Ursprung für die Realisierung eines B-Movies ist.
David: Absolut! Und man kann damit wirklich
unglaublich viel Vergnügen haben, denn es
kommt da eine große Verspieltheit auf, die
entsteht, wenn man erfinderisch werden
muss, und gibt man dann einen Wink auf
Figuren wie Flash Gordon, auf ein Abbild
wie das der sogenannten Riesenfrau, "Giant
Woman", oder King Kong beispielsweise,
eben Filme aus dem Fundus der B-Movies,
wird das den Zuschauern Spaß machen,
wenn sie sie erkennen.
Also entschieden wir uns, dass für den Rahmen der Handlung ein altes, verlassenes
Filmstudio gewählt werden sollte, das von
dieser Gruppe von Leuten in Besitz genommen wurde, um dort die Rocky Horror Picture
Show in einem B-Movie-Stil aufzunehmen.
Auf theatralische Art und Weise nimmt das
Publikum teil an diesen Dreharbeiten, dafür
benutzen wir Projektionen von Modellen, ganz
in der Art altmodischer Spezialeffekte, die
wir dafür extra anfertigen, filmen und projizieren und welche der Zuschauer auch ganz
eindeutig als solche identifizieren wird: Man
sieht Bäume umfallen und dann eine Hand
auftauchen, die sie dann wieder aufstellt, zum
Beispiel. Wir versuchen einfach, richtig
Spaß mit dem Ganzen zu haben, aber gleichzeitig auch, das Bild zu liefern, welches wir
brauchen, um die Geschichte zu erzählen.
Und außerdem wollen wir verdeutlichen,
dass die Rocky Horror Show auf Ideen des
Filmgenres aufbaut. Das ist es, was die
Sache rund machen wird.
Also ist das Studio auch in gewisser Weise
der Planet Transylvania?
David: Nein, das ist es nicht.
Oder ist es die Welt von Frank'n'Furter?
David: Es ist die Welt von ihnen allen. Sie
alle erzählen uns die Geschichte. Alles befindet sich innerhalb des Studios, das mit
seinem Interieur und den Requisiten dann
zum Inneren des Schlosses, des Labors wird
und so weiter, und der Art der Kostüme und
dem Licht, der diesen Raum durchdringt.
Und wie kann man sich nun das Kostümbildbild vorstellen, welche Ideen haben Sie
dazu?
David: Nun, die Phantome werden wir anlehnen an diese seltsame Zeit in den 50ern
und dann wieder an diese Ära des Glam-Rock mit einem sehr eklektischen Look. Und
auch hier gilt wieder die gleiche Überlegung
wie auch beim Bühnenbild: Wir werden
zum einen versuchen, bekannte Bilder mit
einzubinden, was Strümpfe und Strapse
betrifft, und gleichzeitig auch neue Elemente
hinzuzufügen, die ein bisschen mehr Spaß
bringen.
Also wird es nicht so, wie wir es alle kennen,
dass Frank'n'Furter und die Phantome Außerirdische sind?
David: Sie spielen die Rollen von Außerirdischen! Aber sie lieben diese Welt so sehr,
dass sie ihre Kostüme nie ablegen. Sie gehen
in ihren Kostümen raus auf die Straße und
in einen Laden, um sich ihr Mittagessen zu
kaufen, da sie einen Vorwand haben, so
selbstverständlich herum zu laufen. Aber das
genau zeigt ihr wahres Wesen und dient
als Erklärung dafür, warum sie auf der Bühne
stehen, warum sie geflmt werden möchten.
Denn genau das zu tun, macht sie so richtig
glücklich..
Es gibt ja eine Band, was haben Sie für diese
geplant? Ist sie in das Geschehen eingebunden?
David: Klar, wir haben ja diese besondere
Ästhetik, mit den alten Filmscheinwerfern
und den Darstellern, die diese auf der Bühne
mal hierhin und dorthin bewegen, oder auf
einzelne Personen aus dem Publikum richten.
Genauso wird auch die Band sichtbar sein,
die sich auf einer Plattform über dem Filmstudio befindet, und an der wir praktisch
während der ganzen Show mit diesem unglaublich tollen Rock-Sound als Zuschauer
live und direkt teilhaben werden.
Neben Ihrer engen Kooperation mit Sam
Buntrock arbeiten Sie sicher auch eng mit
dem Lichtdesigner David Howe zusammen.
David: .Ja, also ganz besonders bei diesem
Stück, weil wir hier ein Umfeld schaffen
möchten, in dem wir mit nur relativ wenigen
Dingen den Raum verändern können. Das
Licht spielt dabei eine ganz entscheidende
Rolle, und glücklicherweise habe ich mit
David Howe schon in einigen Shows zusammen gearbeitet, und wir kennen einander
mittlerweile wirklich sehr gut. Wir lachen sehr
viel und haben viel Spaß miteinander. Bei
den Bühnen, die ich ausstatte, mache ich es
meist so, dass ich meine Modelle, die ich
baue, ausleuchte und fotografiere, um zeigen
zu können, wie ich mir das Licht vorstelle,
und eine Gesprächsgrundlage mit David zu
haben. Und er schaut sich diese Ideen dann
an und trägt sie mit, oder sagt, dass es vollkommen Schrott ist...
Die alten B-Movie-Klassiker haben natürlich
eine Schwarz-Weiß-Ästhetik - haben Sie
auch an eine solch adäquate Umsetzung für
die Bühne gedacht?
David: Nun ja, ganz so nicht - aber es gab da
eine Idee, die Richard O'Brien für die Show
ursprünglich hatte, also für die Verfilmung:
Er wollte, dass der Film schwarz-weiß beginnt und in dem Moment, in dem Brad und
Janet das Schloss betreten haben, und Frank
auftritt, oder auch direkt bei Ankunft im
Schloss, sollte die Leinwand farbig werden.
Also werden wir versuchen, das für ihn zu
realisieren. Nicht ganz konsequent, aber die
Szene außerhalb der Kirche, wird in sehr gedeckten Farbtönen gehalten sein - in den 50er
Jahren hat man ja viel an Pastellfarben verwendet. Wenn wir später in Frank'n'Furters
Welt eintauchen, werden wir an Farben und
Licht nicht sparen. Das wird dann eher nach
Technicolor-Filmen aussehen. Flash Gordon,
zum Beispiel, nutzt jede Menge sehr wilder
Farben, und so etwas könnte ganz unsere
Richtung werden. Gleichzeitig wollen wir sehr
schwarzes, stark kontrastierendes Licht verwenden, so dass ein Spiel mit den Silhouetten
entsteht.
Und diverse Theatereffekte, wird es davon
auch einiges geben?
David: Na, und ob! Nun ja, einer der alten,
klassischen Illusions-Tricks wird hier zum
Zuge kommen, und wenn man den richtig
macht, kann das so richtig lustig werden.
Oft sind ja manchmal gerade die traditionellen Theatereffekte die wirklich beeindruckenden. Die meisten Zuschauer ahnen
überhaupt nicht, wie fantastisch solche
Effekte sein können - und dabei gibt es sie
schon seit dem 19. Jahrhundert...
David: Manche der Videoeffekte, die man
derzeit als die tollsten Erfindungen aller
Zeiten lobt, die haben schon die Viktorianer
mit ihren Projektoren erzeugt! Heutzutage
spielt man einfach bewegtes Bildmaterial ab
und es ist preisgünstig, weil man einen Videoprojektor verwenden kann und das irgendwie schick aussieht. Damals hatte man eine
riesige Glasscheibe, heute hat man ein
kleines Stück Plastik, das den gleichen Zweck
erfüllt. Technisch betrachtet, ist das ziemlich clever, aber letztlich ist es doch die
gleiche Idee, die man schon vor 150 Jahren
hatte. Aber es ist zauberhaft, es macht
immer wieder Freude, sich auf etwas Vergangenes be ziehen zu können, und Dinge
zum Einsatz zu bringen, von denen man weiß,
dass sie funktionieren, Dinge, die simpel
sind und einfach zu bekommen. Solch einem
Ganzen dann ein modernes Element hinzugefügt und etwas Unerwartetes damit gemacht, wo es niemand erwartet hätte, das
macht so richtig Spaß!
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